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Berliner Morgenpost (Januar 2007)

2007 01 Berliner Morgenpost Tanztage

Füßescharren – Die 16. Berliner Tanztage starten weiblich

von Sandra Luzina

Textausschnitt: Das neue Jahr bringt – eine neue Frauenbewegung. So lassen zumindest die Tanztage Berlin 2007 vermuten. Bei dem Nachwuchsfestival, das wie immer die Nase vorn hat, gehen diesmal auffallend viele junge Choreografinnen mit ins Rennen.
Eröffnet werden die Tanztage von den jungen Choreografinnen Friederike Plafki (Tanzakademie balance 1 Absolventin 2004 – Anmerkung der Tanzakademie) und (…). Plafki war als Gasttänzerin bei Sasha Waltz zu bewundern und hat bereits mit dem Stück „Kühlkuhgenese“ auf sich aufmerksam gemacht. In „peer to peer“ verfolgt sie einen spannenden Ansatz: Tanz ist für Plafki Kommunikation und Austausch von gleichrangigen Partnern. Also überträgt die Choreografin ihren Tänzern die Verantwortung für das entstehende Stück. „peer to peer“ zeigt ein offenes System, wo jeder Informationen einspeist, aufnimmt, überträgt und modifiziert.
Elf Neonröhren begrenzen die Spielfläche.
Das Ganze beginnt in slow motion – mit winzigen Verschiebungen und Schlingerbewegungen. Die Startphase: ein Rekonstruieren des Körpers. Peu a peu werden kleine Phrasen aufgebaut, es kommt zum ersten Kontakt – bis sich komplexere Bewegungs- und Übertragungsmuster herausbilden. Immer wieder schert einer aus oder springt mitten hinein ins kollektive Geschehen mit neu entzündeter Ausdruckslust. Man sieht Tänzer, die einander beobachten und blitzschnell Entscheidungen treffen. Die Begegnungen sind cool und flüchtig, hier heißt es: den anderen ruhig kommen lassen und dann wieder seiner eigenen Wege gehen. Letztlich sind es tanzende Elementarteilchen, die hier ihre Bahnen ziehen, doch die Tänzer kreieren eine Atmosphäre von aufmerksamer Wachheit. Und es ist vor allem Friederike Plafki selbst, die immer wieder die Blicke auf sich zieht.
Bei Plafki definieren die Tänzer die Strukturen mit, in denen sie sich bewegen.