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Marburger Neue Zeitung (30.01.2000)

2000 01 Marburger Neue Zeitung

Den zweiten Tag des Tanzfestivals „Pfefferberg goes Marburg“, gestaltete in der Waggonhalle das Berliner Projekt „After Balance1“. Die Truppe bot eine eindrucksvolle Aufführung. Berliner Projekt „After Balance 1“ trat in der Waggonhalle auf.

Tanz – dynamisch, aggressiv und harmonisch

Textausschnitt: Eine interessante Mischung aus verstörenden Szenen, aggressiven Tanzeinlagen und weichen fließenden Bewegungen bot der zweite Abend des Tanzfestivals „Pfefferberg goes Marburg“, den die Gruppe „After Balance 1“ aus Berlin in der Waggonhalle gestaltete. Getanzte Erzählungen oder nur Bewegung? Die beiden Aufführungen ließen viel Raum, Gedanken weiterzuführen. Die beiden Choreographen – Joseph Tmim mit dem Stück „Hit-Bo-Nenut“ und Ashley Abrahams mit „Catch and Fall and Fall and Catch“ und das junge Berliner Ensemble After Balance 1 boten Tanztheater, das sich sehen lassen kann.
Hit-Bo-Nenut ist hebräisch und bedeutet betrachten, beobachten – und das muss man auch, denn die halbstündige Choreographie erzahlt keine Geschichte. Begleitet von zumeist orientalisch klingender Musik bewegen sich die Tänzer mal vereinzelt, mal zusammen durch den Raum. Beobachten das Publikum und sich selber. Begegnen sich und gehen auseinander. Ein merkwürdig anmutendes Ritual – Karten eines Kartenspiels zwischen Arme, Beine und unter das Kinn gestreckt – betont die Räumlichkeit des Körpers. Zuckende, harte Bewegungen, durcheinander wirbelnde Körper, manchmal sich verbindend, lösen Verstörung aus. Sprachfetzen, wahrscheinlich hebräisch, wirken in den Raum geworfen. Das Stück lässt die Zuschauer mit Fragen zurück.
Die zweite Choreographie des Abends, Ashley Abrahams „Catch and Fall and Fall and Catch“, ist stärker erzählerisch ausgerichtet. Es beginnt bereits mit der Schilderung einer Frau, die vom Schmerz des Verlassenwerdens erzählt. Später erzählt eine andere Frau den Zuschauern von den Vorzügen ihres Autos. Zunächst scheinen die fünf Tänzerinnen für sich zu sein. Dann bilden sich Paare. Mal aggressiv miteinander, Bewegungen gegen einander gerichtet, dann wieder in Harmonie. Aktion und Reaktion. Auch hier wieder die Frage nach Formen von Kontakt?
Den Zuschauern in der ausverkauften Waggonhalle war die Begeisterung anzumerken. Drei Mal mussten die Tänzerinnen des zweiten Stücks wieder auf die Bühne. Die jungen Tänzer aus Berlin entwickeln auf der Bühne ein hohes Maß an Dynamik und waren auf jeden Fall sehenswert.